Presse aktuell

22.03.2017

60 Jahre EU. Die Frage ist nicht, ob wir Europa brauchen, sondern welches Europa wir wollen!

60 Jahre Römische Verträge: Markus Ferber über Errungenschaften und Fehler

"Als junger Mensch war meine Vision ein demokratisches Europa mit einem starken und selbstbewussten Europäischen Parlament. Daran wollte ich mitarbeiten", so Markus Ferber. In diesen Tagen feiert die EU ihren 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Gründungsverträge, die Geburtsstunde der heutigen Europäischen Union. Doch nie zuvor wurde die EU an so vielen Stellen auf die Probe gestellt wie heute.

Als der schwäbische Europaabgeordnete 1994 mit gerade 29 Jahren zum ersten Mal ins Europäische Parlament gewählt wurde, war die Wirtschafts- und Währungsunion mit dem Vertrag von Maastricht gerade beschlossene Sache. Seit 23 Jahre darf er als Mitglied des Europäischen Parlaments an der Geschichte der EU und der europäischen Einigung - wie der Euro-Einführung und der Osterweiterung - mitarbeiten. Der "schwäbische Europäer" wie er sich selbst bezeichnet, erinnert sich zum 60. Geburtstag der EU an die Meilensteine seiner Arbeit der vergangen Jahrzehnte, welche Lehren er daraus zieht und was ihm trotz aktueller Krisen Mut für die Zukunft der EU macht. "Die Frage ist nicht, ob wir Europa brauchen, sondern welches Europa wir wollen", davon ist Ferber überzeugt.

Die größten Errungenschaften der EU für Markus Ferber

"1994 hatte ich in meinem Geldbeutel drei verschiedene Währungen - die Deutsche Mark, den französischen Franc und den belgische Franc. Heute bezahle ich in allen drei Ländern in Euro und muss am Flughafen an keiner Passkontrolle mehr anstehen. Die Reisefreiheit und die gemeinsame Währung sind für mich großartige Errungenschaften."

In welchen Momenten er sich als Europäer fühlte

"Der Mauerfall war für mich wirklich ein Schlüsselereignis. Die Überwindung der Teilung Deutschlands war für mich auch der Startschuss für das Zusammenwachsen Europas."

Welche Entscheidung er heute als Fehler bezeichnen würde

"Die Osterweiterung 2004 war eine einmalige historische Chance und gleichzeitige eine enorme politische Herausforderung. Im Rückblick sage ich, dass es ein Fehler war, weil es zu schnell ging. Das rächt sich leider heute, wie man an den innenpolitischen Problemen, wie in Polen, sieht."

Was ihm trotzdem Mut für die Zukunft macht

"Leider gibt es heute radikale Kräfte innerhalb Europas, die den europäischen Zusammenhalt zerstören wollen. Aber wir erleben zurzeit auch wie tausende Menschen jeden Sonntag in zahlreichen Städten für Europa auf die Straßen gehen. Ich freue mich, dass gerade junge Menschen vor Ort sind, für die die Errungenschaften der EU eigentlich selbstverständlich sind. Aber sie erkennen was die EU bedeutet und es sich lohnt, trotz einiger Problem dafür zu kämpfen."