Die Europäische Kommission hat heute ihren lang erwarteten Vorschlag für ein Gesetzespaket zum Ausbau der Passagierrechte im Bahnverkehr vorgestellt. Kern dessen ist die Ticketing-Initiative, welche durchgehende europäische Fahrkarten ermöglichen soll. Bisher beschränken nationale Bahnanbieter den Verkauf vor allem auf eigene Verbindungen. Laut einer Umfrage sind 61% der Europäer bereits durch komplizierte Buchungssysteme von grenzüberschreitenden Bahnfahrten abgeschreckt worden. Der Europaabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der CSU-Europagruppe Markus Ferber begrüßt die Initiativen der Kommission:
„Wer bisher mit dem Zug von München nach Barcelona fahren wollte, musste sich dafür mühsam auf unterschiedlichen Seiten der nationalen Bahnanbieter mehrere Tickets für Teilstrecken kaufen. Das ist nicht nur teuer, bei Verspätungen droht auch ein Verlust der Fahrgastrechte und damit zusätzliche Kosten für Passagiere. Nimmt man für dieselbe Strecke das Flugzeug, buhlen gleich mehrere Buchungsplattformen im Internet um Kunden. Eine Verbindung – ein Ticket. Was in der Luft bereits Standard ist, soll nun auch endlich auf der Schiene Realität werden.“
Mehr Angebot für Kunden und Umwelt
Die Pläne der Kommission gehen noch darüber hinaus und möchten auch multimodale Buchungsvorgänge erleichtern. Damit sollen unterschiedliche Verkehrsträger besser vernetzt werden:
„Der Kunde ist König – statt dieses betriebswirtschaftliche Kernprinzip zu beherzigen, stecken die Buchungssysteme europäischer Bahnen noch zu sehr in der Vergangenheit fest. Verbraucher möchten heute die volle Mobilitätsauswahl zur Verfügung haben. Dem müssen die Anbieter Rechnung tragen und sich untereinander vernetzen. Kombinationen aus Zug + Flug oder Zug + Fähre sind für Fahrgäste attraktiv und können auch der Umwelt zugutekommen, beispielsweise indem sie die letzte Meile auf den Umweltverbund verlagern.“
Ländlichen Raum nicht aus dem Auge verlieren
„Wichtig ist, dass der Vorschlag der Kommission auch ländliche Räume mit einbezieht. Verbindungen von Berlin nach Paris sind prima, die Mehrheit der Europäer lebt aber fernab der Großstädte. Es braucht daher attraktive Anschlussverbindungen in den ländlichen Raum und Ticketing-Möglichkeiten, die Verbundtickets miteinschließen. Denn viele Urlaubsreisen beginnen nicht am Hauptbahnhof, sondern bereits in der Regional- oder S-Bahn.“, so Ferber.