„Der Hochlauf der Elektromobilität bei schweren Nutzfahrzeugen geht nur träge voran. Erst 22.500 E-Lkw sind in der EU registriert. Angesichts von Millionen zugelassener Lkw insgesamt nur ein kleiner Bruchteil. Auch bei den Neuzulassungen dominieren weiterhin Dieselfahrzeuge. Die Elektromobilität hat die unzureichende Ladeinfrastruktur als Achillesferse. Bei schweren Nutzfahrzeugen kommt dieser Faktor noch stärker zum Tragen als beim PKW, da diese besonders viel Leistung benötigen und räumlich mehr Platz benötigen. Nichtsdestotrotz haben sich europäische Hersteller bereits auf den Weg gemacht, um die Dekarbonisierung im Straßenverkehr zu ermöglichen, und entsprechende Modelle vorgestellt. Doch aufgrund des langsamen Ausbaus der Infrastruktur drohen ihnen nun hohe Strafzahlungen durch die EU. Angesichts dessen ist eine schnellstmögliche Umsetzung des Kommissionsvorschlags zur Flexibilisierung der Strafzahlungen dringend geboten. Es freut mich, dass das Europäische Parlament dafür mit dem Dringlichkeitsverfahren heute den Weg freigemacht hat“, so der Europaabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der CSU-Europagruppe Markus Ferber.
Im Rahmen des Automobilpakets hat die Europäische Kommission im Dezember vergangenen Jahres eine Flexibilisierung der CO2-Grenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge vorgeschlagen. Dabei soll an den strengen Zielen nicht gerüttelt werden. Lediglich der Mechanismus zur Einhaltung soll flexibler gestaltet werden. Hersteller können bereits vor 2030 Emissionsgutschriften sammeln. Eine ähnliche Regelung wurde für PKW und leichte Nutzfahrzeuge bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Das Parlament hat sich nun im Dringlichkeitsverfahren dazu positioniert. Ferber begrüßt den Schritt:
„Der Kommissionsvorschlag gibt den Herstellern in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten mehr Luft zum Atmen. Es kann nicht sein, dass wir unseren heimischen Autobauern in dieser kapitalintensiven Transformationsphase liquide Mittel entziehen bzw. dass diese ihre direkten Wettbewerber finanziell unterstützen müssen, um europäische Grenzwerte einzuhalten.“
Weiterhin hält Ferber an der Forderung fest, die Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge grundlegend zu überarbeiten:
„Zurzeit gibt es 2.000 Ladestationen für schwere Nutzfahrzeuge entlang der Europäischen Hauptachsen. Um die EU-Ziele für den Ladeinfrastrukturausbau zu erfüllen, müssten die Mitgliedstaaten bis 2030 noch 18.500 Ladepunkte dazubauen. Die Wirklichkeit zeigt, dass der Ausbau von Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge zu lange dauert. Dadurch wird auch der Hochlauf der Elektrifizierung von LKW ausgebremst. Die Kommission muss sich nun schnellstmöglich die Flottengrenzwerte für HDV noch einmal anschauen und einen realistischeren Pfad vorlegen. Hier muss die Kommission sich ehrlich machen und durch eine frühere Überprüfung der Grenzwerte noch in diesem Jahr Klarheit für Hersteller und Verbraucher schaffen. Ein minimales Herumdoktorn an den Regeln löst die Probleme nicht.“