„Die heutigen Zahlen bestätigen, was viele befürchtet hatten: Die EU-Wirtschaft steuert auf eine schwierige Phase zu. Die Wachstumskorrektur mag auf dem Papier moderat wirken, trifft jedoch eine europäische Wirtschaft, die ohnehin schon Mühe hatte, an Fahrt zu gewinnen.
Schwächeres Wachstum ist für alle ein Problem. Für jene Mitgliedstaaten, die bereits mit hohen Schuldenständen und großen Haushaltsdefiziten kämpfen, kann es jedoch zu einer ernsthaften Gefahr werden. Ohne Wachstum wird die Haushaltspolitik zum Nullsummenspiel.
Die Antwort auf diese schwierige Phase kann nicht mehr Ausgaben und mehr Energiesubventionen sein. Genau jetzt muss Europa seine Wachstumsagenda beschleunigen und auf angebotsseitige Reformen setzen. Es liegt in der Verantwortung der Europäischen Kommission, eine klare Wachstumsstrategie vorzulegen.
Der Anstieg der Inflationszahlen hat Konsequenzen für die Geldpolitik: Die EZB muss wachsam bleiben. Die Parallele zwischen dem heutigen Energiepreisschock und dem Inflationsschub nach 2021 ist beunruhigend. Damals hat die EZB zu spät reagiert; denselben Fehler kann sie sich nicht noch einmal leisten. Die Verankerung der Inflationserwartungen muss absoluten Vorrang haben, auch wenn geldpolitische Entscheidungen politisch unbequem werden."