„Die Automobilindustrie in Europa steht vor entscheidenden Herausforderungen. Neben Managementfehlern in einigen Konzernen plagen die Branche vor allem strukturelle Probleme am Industriestandort: Hohe Energie- und Arbeitskosten, erdrückende Bürokratielast und strenge Klimaziele. Dabei tun sich in Europa immer mehr zwei Lager auf: Mitgliedstaaten mit Automobilindustrie und gut bezahlten Industriearbeitsplätzen, welche versuchen, die Transformation möglichst wettbewerbsfähig zu gestalten, und andere Teile Europas ohne Automobilindustrie, welche lediglich den schnellen Umstieg auf Elektromobilität forcieren. Gleichzeitig bleibt umstritten, wie viel offenen Welthandel wir in Europa mit Blick auf lokale Produzenten zulassen wollen. In all diesen Fragestellungen scheint sich die EU aktuell zu verlieren. Viele Probleme, wenig Lösungen. Unter dieser Planlosigkeit leiden vor allem die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze akut gefährdet sind. Ein Arbeitsplatz in der Automobilindustrie galt lange als sichere Festanstellung. Heute müssen Azubis und Studenten um ihre Übernahme fürchten.“, so der Europaabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, anlässlich einer Debatte zur Zukunft der Automobilindustrie im Plenum des Europäischen Parlaments. Ferber fordert mehr Ambition von der Europäischen Kommission:
„Die Europäische Kommission muss für die Automobilindustrie vom Verhinderer zum Möglichmacher werden. Gescheiterte politische Konzepte wie das Verbrennerverbot müssen der Vergangenheit angehören. Statt eine Antriebstechnologie vorzuschreiben, müssen die Unternehmen freie Hand bei ihrer Modellgestaltung bekommen. Am Ende entscheidet der Kunde, welches Fahrzeug er fahren möchte. Mit dem Europäischen Emissionshandelssystem haben wir ein marktwirtschaftliches Instrument, um Klimaschutz auch im Verkehr sicherzustellen. Kombiniert mit einem gezielten Ausbau der Ladeinfrastruktur würde ein einziges Rahmenwerk für mehr Einfachheit und weniger Bürokratie sorgen. Andere Weltregionen machen es vor.“
In Ihrem Vorschlag zu einer Überarbeitung der Flottengrenzwerte bleibt die Kommission hinter den Erwartungen Ferbers zurück. Die Parlamentsverhandlungen bieten hier aber noch die Möglichkeiten für Nachbesserungen. Kritisch sieht Ferber auch den Vorschlag zu neuerlichen Quoten bei Unternehmensflotten.
Handelsinstrumente entschieden nutzen
Neben den Problemen daheim droht auch durch neue Konkurrenten auf dem Weltmarkt ein Wertschöpfungsverlust für deutsche und europäische Hersteller. Chinesische Hersteller gewinnen langsam, aber sicher Marktanteile auch in Europa hinzu. Der größte chinesische Hersteller BYD kommt in der EU mittlerweile auf über 2% der Neuzulassungen und überflügelt bereits den US-Konkurrenten Tesla. Während die Europäische Kommission bei Elektroautos bereits gravierende Wettbewerbsverstöße bei chinesischen Herstellern festgestellt hat, setzen diese nun immer mehr auf den Export von Plug-in-Hybriden. Auch hier gilt es für Ferber, wachsam zu sein:
„Die Europäische Kommission muss sich trauen, Handelsschutzinstrumente entschieden einzusetzen, wenn sie Verstöße gegen Anti-Dumping-Regelungen feststellt. Chinesische Hersteller rücken mit massiven Subventionen auf den europäischen Markt und verdrängen hier selbst etablierte Hersteller. Die chinesische Führung hat das alleinige Ziel, europäische Wertschöpfungsketten zu übernehmen. Hier dürfen wir nicht weiter naiv sein und müssen uns gegen solche Handelsattacken wehren.“